Schnarchen

Schnarchen allein ist keine Krankheit, stört aber das eigene Wohlbefinden und den häuslichen Frieden oft nachhaltig. Vielen Betroffenen kann ohne Operation geholfen werden – durch spezielle Unterkiefer-Schienen, Schlafrucksäcke oder Nasenaufdehner.

Schnarchen?

Alles über’s Schnarchen

Schnarchen ist häufig in erster Linie ein soziales Problem – so manche Beziehung hat die nächtliche Geräuschkulisse schon auf die Probe gestellt. Aber nicht nur der Partner, auch die eigene Gesundheit leidet: Denn wer schnarcht, schreckt nachts immer wieder auf bzw. wird von seinem genervten Bettgenossen geweckt und fühlt sich am nächsten Morgen wenig erholt. Auf Dauer beeinträchtigt dieser latente Schlafmangel die kognitive Leistungsfähigkeit genauso wie das Herz-Kreislauf-System und die Immunabwehr.

Rund ein Viertel aller erwachsenen Frauen und etwa die Hälfte aller Männer in Deutschland schnarchen. Primäres Schnarchen hat dabei per se keinen Krankheitswert, sondern gilt als Normvariante. Erst wenn Episoden von Sauerstoffmangel oder gar längere Atemaussetzer auftreten, liegt eine behandlungsbedürftige Störung vor. Im Durchschnitt bringen es Schnarcher übrigens auf 20 Dezibel, was ungefähr dem Rascheln von Laub entspricht. Weltrekord sind laut Guinness-Buch der Rekorde stolze 93 Dezibel – vergleichbar mit einem Presslufthammer.

Wie kommt es eigentlich zum Schnarchen? Im Schlaf, insbesondere in Traum- und Tiefschlafphasen, nimmt die Spannung der Rachenmuskulatur so stark ab, dass sich die Atemwege verengen. Infolgedessen flattert das erschlaffte Gaumensegel mit dem Zäpfchen lautstark im Sog der vorbeiströmenden Atemluft. Bei einigen Patienten rutscht außerdem der entspannte Zungengrund zu weit nach hinten und blockiert den Luftstrom, sodass sich hörbare Turbulenzen bilden. Schlafen in Rückenlage begünstigt dieses Phänomen. Ebenso können Alkohol und Schlafmittel die Muskulatur zusätzlich erschlaffen lassen und das Schnarchen verschlimmern.

Was hilft gegen Schnarchen?

Im Handel werden unzählige Anti-Schnarchmittel angeboten – vom aromatischen Anti-Schnarch-Öl bis zur Nasenspirale. Im niedersächsischen Alfeld gibt es sogar ein Schnarch-Museum, das Hunderte Apparaturen und Elixiere ausstellt, mit denen Menschen gegen das Schnarchen ankämpfen. Experten halten jedoch den Großteil der Produkte für Geschäftemacherei – nur wenige punkten mit handfesten wissenschaftlichen Belegen.

Das derzeit erfolgsversprechendste Hilfsmittel ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde eine sogenannte Unterkiefer-Protusionsschiene. Derartige Schienen halten den Unterkiefer in einer vorgeschobenen Position und damit die Atemwege im Rachen offen – auch bei nachlassender Muskelspannung. Viele Anwender bemerken bereits ab der ersten Nacht eine deutliche Verbesserung, wobei es erfahrungsgemäß etwa 2 bis 4 Wochen braucht, um sich vollständig an den Fremdkörper im Mund zu gewöhnen. Die Erfolgsrate liegt klinischen Studien zufolge insgesamt bei 50-90 %. Ausprobieren lassen sich Unterkiefer-Protusionsschienen gefahrlos in Eigenregie – bei langfristiger Anwendung ist es jedoch wichtig, seinen Kiefer regelmäßig von einem qualifizierten Zahnmediziner auf etwaige Veränderungen hin untersuchen zu lassen.

Für Betroffene, die hauptsächlich in Rückenlage schnarchen, kann eine Rückenlage-Verhinderungsweste die einfachste Lösung sein. In diese Spezialwesten ist rückseitig ein Keil aus Hartschaumstoff eingearbeitet, der den Träger daran hindert, sich im Schlaf auf den Rücken zu drehen. Die Konstruktion gibt es auch in leicht abgewandelter Form als Schlafrucksack mit Luftkissen. Vor der nicht ganz günstigen Anschaffung ist es allerdings ratsam, zu klären, ob tatsächlich eine reine Lageabhängigkeit des Schnarchens besteht, z. B. durch genaue Beobachtungen des Partners.

In Einzelfällen können laut der offiziellen Leitlinie der HNO-Fachgesellschaft auch sogenannte Naseneingangsdilatatoren helfen. Diese erweitern den Naseneingang und ermöglichen so eine freie Nasenatmung. Es gibt sie in Form von äußerlich anzubringenden Nasenpflastern oder in Form von intranasalen Nasenklammern. Da sich der Einfluss der Nasenatmung auf die individuelle Schnarchsymptomatik kaum bestimmen lässt, ist auch der Therapieerfolg durch Naseneingangsdilatatoren nicht vorhersagbar. Allerdings sind die kleinen Helfer vergleichsweise günstig und frei von Nebenwirkungen, sodass einem Therapieversuch nichts im Wege steht.

Unabhängig von einzelnen Mitteln gegen das Schnarchen empfehlen Fachärzte, exponierende Risikofaktoren zu minimieren. Bei Übergewichtigen bessert häufig schon eine Reduktion des Körpergewichts die Symptomatik. Außerdem sinnvoll für alle Schnarcher: weitestmöglich auf Alkohol, Nikotin und Schlafmittel verzichten und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einhalten.