Mundgeruch

Mundgeruch muss kein Dauerschicksal sein: Die meisten Betroffenen können das Problem loswerden, indem sie ihre tägliche Mundpflege durch eine mechanische Zungenreinigung und antibakterielle Mundspülungen mit Chlorhexidin ergänzen.

Mundgeruch?

Schon die bloße Angst, an Mundgeruch zu leiden, kann am Selbstbewusstsein nagen und das Sozialverhalten einschränken. Mediziner sprechen von einer „Halitophobie“. Ob der eigene Atem tatsächlich auffallend schlecht riecht, lässt sich objektiv mit kleinen Helfern aus der Apotheke überprüfen: Infrage kommen etwa elektronische Halimeter im Taschenformat, die den prozentualen Anteil bakterieller Abgase in der Ausatemluft bestimmen und die Stärke des Mundgeruchs beziffern. Eine preiswerte Alternative für schnelle Gewissheit stellen Einmal-Teststreifen dar – diese liefern nach einem Zungenabstrich das Ergebnis per Farbskala.

Ursachen von Mundgeruch

Rund 4 Millionen Deutsche leiden nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an krankhaftem Mundgeruch (Halitosis). Dass die unangenehmen Ausdünstungen aus dem Magen-Darm-Trakt herrühren, ist ein Irrglaube: In bis zu 90 % der Fälle entstehen sie direkt im Mund-Rachenraum durch bakterielle Zersetzung von organischem Material. Hauptverantwortlich für den Mief sind meist flüchtige Schwefelverbindungen und Kohlenwasserstoffe – insgesamt kann sich das individuelle Geruchsprofil allerdings aus sage und schreibe 3000 Geruchsstoffen zusammensetzen.

Auch in einem gesunden Mund siedeln bis zu 300 Bakterienarten, ohne chronischen Mundgeruch hervorzurufen. Zu einer Dysbalance der Mundflora kommt es in der Regel erst, wenn entweder das Immunsystem geschwächt ist oder die Bakterien sich hygienischen Maßnahmen entziehen können, z. B. indem sie sich in Zahnzwischenräumen, Karieslöchern oder Kronenrändern vor der Zahnbürste verstecken. Besonders häufig finden sie Zuflucht in den Furchen des Zungengrunds, der weit hinten im Rachen liegt und selten gesäubert wird. Überhaupt vernachlässigen in unserem Kulturkreis noch immer viele Menschen die regelmäßige Reinigung der Zunge, obwohl darauf schätzungsweise 60-80 % aller oralen Bakterien zuhause sind.

Mundgeruch testen

Niemand belästigt seine Mitmenschen gerne durch schlechten Atem. Leider merken Betroffene häufig lange Zeit nichts von ihren Problem – bis sich eines Tages ein ehrlicher Partner oder Kollege zu offenen Worten durchringt. Scham und die ständige Sorge, sein Gegenüber anzuekeln, werden fortan zum täglichen Begleiter und für so manche Beziehung zur Belastungsprobe. Viele Mundgeruch-Patienten haben von Pfefferminz-Pastillen bis hin zu exzessivem Zähneputzen schon alles ausprobiert und wünschen sich nichts sehnlicher, als anderen endlich wieder unbeschwert nahekommen zu können.

Was tun gegen Mundgeruch?

Um Mundgeruch loszuwerden, müssen in erster Linie die verursachenden Bakterien reduziert werden. Dabei ist lokale Bakterienbekämpfung sinnvoller als die Gabe von systemischen Antibiotika, da letztere unverhältnismäßige Nebenwirkungen mit sich bringen. Wichtig zu wissen: Rund ein Drittel der Mundhöhle wird durch einfaches Zähneputzen selbst bei noch so korrekter Ausführung nicht erreicht. Damit den Bakterien keine Schlupflöcher bleiben, müssen also zusätzliche Hilfsmittel wie Zahnseide, Interdentalbürsten und desinfizierende Mundspülungen zum Einsatz kommen. Besonders bewährt im Kampf gegen orale Bakterien hat sich der Wirkstoff Chlorhexidin (CHX), der als „chemische Zahnbürste“ Zahnzwischenräume und Schleimhautfurchen desinfiziert. Erhältlich sind hochkonzentrierte Chlorhexidin-Spülungen für die Akut-Therapie und niedriger dosierte Mittel zum Dauergebrauch. Erstere können klinischen Studien zufolge die Plaque-Neubildung um bis zu 100 % reduzieren, letztere immerhin um bis zu 66 % (Arweiler & Arweiler: Niedrig dosierte Chlorhexidin-Präparate).

Sichtbare und unsichtbare Zungenbeläge sollten darüber hinaus mechanisch mithilfe spezieller Zungenreiniger entfernt werden. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen, beispielsweise mit Borstenbesatz, mit Gummilamellen oder als Schaber aus Hartplastik. Die Auswahl ist in erster Linie eine persönliche Geschmacksfrage. Sparfüchse können alternativ auch auf eine weiche Zahnbürste oder einen Teelöffel ohne scharfe Kanten zurückgreifen.

Kofaktor bei der Entstehung von Mundgeruch ist häufig ein verminderter Speichelfluss. Grund dafür kann z. B. chronische Medikamenteneinnahme oder das Arbeiten in einem sogenannten Sprechberuf sein. Gegen ein trockenes Mundgefühl und die Geruchsbildung hilft es, die Speichelproduktion mit Lutschbonbons oder Kaugummi anzuregen. Besonders geeignet sind dafür Kräutervarianten mit ätherischen Ölen – diese verbreiten nicht nur ein angenehmes Aroma, sondern wirken gleichzeitig leicht desinfizierend.