Nagelpilz

Befallene Nägel bieten wahrlich keinen schönen Anblick: Sie sind trüb, verdickt, brüchig und zeigen weiß-gelbe bis bräunliche Verfärbungen. Bei fortgeschrittener Infektion können sich die Nagelbetten schmerzhaft entzünden. Viele Betroffene fühlen sich unattraktiv und wagen sich barfuß oder in offenen Schuhen nicht mehr in die Öffentlichkeit. Tatsächlich geht die Infektion mit einem hohen Stigmatisierungsgrad einher, obwohl sie weit verbreitet und nicht auf mangelnde Körperhygiene zurückzuführen ist.

Nagelpilz?

Ursachen für Nagelpilz

In etwa 90 Prozent der Fälle sind Fadenpilze (Dermatophyten) für die Nagelerkrankung verantwortlich, seltener Hefen oder Schimmelpilze. Die Pilzsporen lauern überall, wo Menschen in feuchtwarmem Milieu barfuß laufen: in Schwimmbädern, Saunen, Fitnessstudios oder Hotelbadezimmern.

Häufig entsteht zunächst ein Fußpilz, der sich ohne Behandlung allmählich von den Zehenzwischenräumen auf die Nägel ausbreitet. Verschiedene Risikofaktoren erhöhen die Ansteckungsgefahr, u. a. Schwitzfüße, enges Schuhwerk und mechanische Belastung der Zehen durch Sport. Dramatisch erhöht ist das Nagelpilzrisiko außerdem bei Menschen, die an Durchblutungsstörungen leiden, z. B. an peripherer arterieller Verschlusskrankheit, einem diabetischen Fußsyndrom oder insuffizienten Beinvenen. Da derartige Vorerkrankungen vor allem bei Älteren zu finden sind, steigt auch die Prävalenz von Nagelpilz mit dem Lebensalter an: Bei den über 60-Jährigen ist in Deutschland bereits jeder Zweite infiziert (Onychomykose – ein Update).

Spontanheilungen sind nicht bekannt. Wer nichts unternimmt, stellt nicht nur eine wandelnde Infektionsquelle für seine Mitmenschen dar, sondern riskiert auch, dass der Pilz sich weit über die Hautoberfläche ausbreitet. Über das entzündete Gewebe können zudem Bakterien – typischerweise Streptokokken – eindringen und ein gefährliches Erysipel auslösen.

Was hilft gegen Nagelpilz?

Je früher die Behandlung beginnt, desto höher sind die Erfolgschancen. Als wirksam erwiesen hat sich insbesondere eine topische Behandlung mit medizinischen Nagellacken, die Antimykotika (pilzabtötende Substanzen) enthalten. Vorteil dieser Darreichungsform: Der Lack kann als Arzneidepot seine Wirkstoffe über einen langen Zeitraum gleichmäßig in die Nagelplatte abgeben. Wegen vernachlässigbarer Nebenwirkungen sind die Nagellack-Präparate in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Eine transparente, unauffällige Optik macht sie auch für Männer alltagstauglich. Wer möchte, darf die therapeutische Lackschicht aber auch mit einem farbigen Nagellack überlackieren.

Empfehlenswert ist insbesondere Nagellack mit dem Wirkstoff Amorolfin. Das Antipilzmittel durchdringt nachweislich bereits nach 24 Stunden die gesamte Nagelplatte und erreicht auch Erreger im Nagelbett. Es ist der einzige handelsübliche Wirkstoff, der auch luftgefüllte Hohlräume im Nagel überwinden kann – gerade dort befinden sich oft schwer erreichbare, infektiöse Pilzrückstände. Die Wirksamkeit Amorolfin-haltigen Nagellacks ist wissenschaftlich belegt: Eine Studie an über 350 Patienten ergab nach 6-monatiger Anwendung eine klinische Heilungsrate von 80 % (Sonderbericht auf der Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2011).

Mittel gegen Nagelpilz

Geduld gehört auf jeden Fall zur Behandlung dazu: Der Nagel muss etwa einmal pro Woche eingepinselt werden, bis er vollständig pilzfrei nachgewachsen ist. Bei Fingernägeln kann das leicht 6 Monate, bei Fußnägeln sogar 1 ganzes Jahr dauern. Zwischendurch sollte man die befallene Nagelsubstanz immer wieder so weit wie möglich entfernen – am besten schonend mit einer Sandblattfeile, die nach jedem Gebrauch weggeworfen oder gründlich desinfiziert wird. Wichtig: Infizierte und gesunde Nägel nie mit derselben Feile behandeln. Ideal ist eine zeitlich versetzte Pediküre beider Nagelgruppen, anderenfalls können beim Feilen an den gesunden Zehen winzige Hautverletzungen entstehen, in die infizierter Nagelstaub eindringt.

Pilzabtötendes Schuhdeo und atmungsaktive, nicht zu enge Schuhe unterstützen die Heilung. Socken müssen bei mindestens 60 Grad und idealerweise mit desinfizierendem Waschmittelzusatz gewaschen werden. Damit die eigene Wohnung nicht zur Infektionsquelle für andere Personen im Haushalt wird, sollten Betroffene außerdem möglichst wenig barfuß gehen und Badezimmer- bzw. Schlafzimmerböden regelmäßig durch pilzabtötende Puder oder Sprays desinfizieren.