Läuse

Fast jedes Kind hat im Laufe seiner Kindergarten- oder Grundschulkarriere mindestens einmal mit Kopfläusen zu kämpfen. Die Parasiten sind zwar lästig, aber kein Grund zur Panik: Mit chemischen Läusemitteln, einem guten Läusekamm und etwas Disziplin lassen sie sich schnell und erfolgreich in die Flucht schlagen.

Kopfläuse?

Hintergründe von Läusen

Läusebefall ist ein nervenzehrendes und immer noch schambesetztes Thema. Wer Läuse hat, gilt als schmuddelig. Dabei hat eine Ansteckung nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, denn Haarewaschen mit herkömmlichem Shampoo kann den Lästlingen nichts anhaben. Gefährlich sind Läuse zum Glück nicht: Sie können zwar durch ständiges Jucken zu Kratzekzemen führen, aber keine Krankheiten übertragen. Trotzdem sind Eltern gesetzlich verpflichtet, einen Läusebefall des eigenen Kindes bei der betreuenden Gemeinschaftseinrichtung zu melden, um den Befall frühzeitig einzudämmen. Grundsätzlich sollte die Behandlung so schnell wie möglich beginnen – am besten noch am Tag der Diagnosestellung. Mit den richtigen Maßnahmen kann das betroffene Kind schon am nächsten Tag wieder zur Schule bzw. in den Kindergarten gehen.

Kopfläuse – Ein Portrait

Kopfläuse sind 2-3 mm große, flügellose Insekten, die permanent im Kopfhaar ihres Wirts leben. Die Lästlinge besitzen kräftige Mundwerkzeuge, mit deren Hilfe sie sich sowohl festhalten und fortbewegen als auch ernähren. Üblicherweise stechen sie mehrmals täglich zu und saugen winzige Mengen Blut, wobei ihr Speichelsekret in der Wunde Juckreiz und Fremdköperreaktionen hervorrufen kann.

Übertragen werden Läuse fast immer durch direkten Körperkontakt. Im Gegensatz zu Flöhen können sie nicht von einer Person zu anderen springen. Auch eine Infektion über Bürsten, Haarschmuck, Mützen oder andere Kopfbedeckungen spielt laut Expertenmeinung nur eine untergeordnete Rolle. Jenseits der Kopfhaut überleben die Tiere maximal 2-3 Tage, da sie auf Wärme und regelmäßiges Blutsaugen angewiesen sind.

Ohne Gegenmaßnahmen vermehren sich Läuse rasant. Ein Weibchen kann im Laufe seines vierwöchigen Lebens bis zu 140 gelblich-bräunlich Eier produzieren, die fest am Haarschaft nahe der Kopfhaut haften und mit dem bloßen Auge nur schwer zu erkennen sind. Relativ gut sichtbar sind hingegen die Nissen – leere, weiße Eihüllen, die nach dem Schlüpfen der Larven zurückbleiben. Bei Verdacht auf Läusebefall sollte das Haar mit einer Pflegespülung angefeuchtet und systematisch nach Eiern und Nissen abgesucht werden – am besten Strähne für Strähne mit einem feinen Läusekamm. In der Regel finden sich im Schläfen- und Nackenhaar die meisten Hinweise.

Was tun gegen Läuse?

Zur nachhaltigen Entlausung empfiehlt das Robert-Koch-Institut ein 17-tägiges Behandlungskonzept, das mechanische und chemische Therapiemaßnahmen kombiniert. Am Tag 1 nach der Diagnose sollte der Kopf zunächst mit einem pedikuloziden Läusemittel behandelt werden – in Form einer Lösung, eines Gels oder eines Shampoos. Bewährte Wirkstoffe sind dabei Allethrin, Permethrin oder Pyrethrum. Wichtig ist es, Dosis und Einwirkzeit gemäß Packungsbeilage genau einzuhalten und das Mittel gleichmäßig zu verteilen. Außerdem darf das Haar nicht zu nass sein, damit kein Verdünnungseffekt entsteht. Schon die Erstbehandlung tötet bei richtiger Anwendung rund 70 % der Läusepopulation ab. Unmittelbar danach sind keine ansteckenden adulten Läuse mehr vorhanden, sodass befallene Kinder am nächsten Tag nicht zu Hause bleiben müssen. Aus den zurückbleibenden Eiern können jedoch nach etwa 8 Tagen wieder frische Larven schlüpfen, die sich gegebenenfalls zu jungen Weibchen entwickeln und nach 11 Tagen neue Eier legen. An Tag 9 oder 10 muss daher eine Wiederholungsbehandlung stattfinden, um auch die nachwachsende Läusegeneration auszumerzen. Begleitend sollte in insgesamt 4 Sitzungen ein “nasses Auskämmen” erfolgen – optimalerweise an den Tagen 1, 5, 9 und 13. Dafür kommt nach dem normalen Haarewaschen Pflegespülung und ein Kamm mit einem Zinkenabstand von weniger als 0.3 mm zum Einsatz. Das Haar wird strähnenweise vom Ansatz an ausgekämmt und nach jedem Zug auf einem hellen Tuch abgestreift – eine aufwändige, aber effektive Methode, die in Kombination mit den pharmazeutischen Mitteln in über 90 % der Fälle zum gewünschten Erfolg führt.

Der Behandlungsplan des Robert-Koch-Instituts im Überblick:

Tag 1: Erstbehandlung mit Kopflausmittel plus Auskämmen
Tag 5: Nur Auskämmen
Tag 9: Chemische Zweitbehandlung plus Auskämmen
Tag 13: Nur Auskämmen
Tag 17: Auskämmen und Endkontrolle (bei Misserfolg Wiederholung der Behandlung)

Alternative Mittel

Wer auf Insektengifte mit potentiell neurotoxischen Nebenwirkungen verzichten möchte, kann alternativ auf Produkte mit Dimeticon zurückgreifen. Das Silikonöl ist erst seit wenigen Jahren als Entlausungsmittel auf dem Markt und sein Wirkmechanismus noch nicht vollständig verstanden. Vermutlich erstickt es die Läuse, indem es ihre Atemöffnungen versiegelt. In Studien zeigt Dimeticon ähnlich gute Erfolgsquoten wie traditionelle Pedikulozide bei gleichzeitig geringerer Hautreizung. Einziger Nachteil: Das Haar ist nach der Behandlung vorübergehend leicht entflammbar, wodurch besondere Vorsicht erforderlich ist. Ganz auf Chemie zu verzichten und sich allein auf das mechanische Auskämmen zu verlassen, ist nicht ratsam. Diese Methode führt zwar immerhin in 57 % aller Fälle zu einer vollständigen Entlausung, aber die befallenen Kinder bleiben deutlich länger eine Infektionsquelle.

Besondere Hygienemaßnahmen in der Wohnumgebung sind für den Behandlungserfolg zweitrangig. Um auf der sicheren Seite zu sein, können Bürsten, Kämme und Haarspangen über Nacht in Seifenlösung eingeweicht, Bettwäsche und Kleidung heiß gewaschen und Stofftiere vorübergehend eingefroren werden. Nicht-waschbare, aber potentiell befallene Gegenstände können außerdem für 3 Tage in einer Plastiktüte landen – spätestens nach dieser Zeit sind garantiert alle Läuse eingegangen.