Kater

Eine Wunderpille gegen Kater gibt es leider (noch) nicht. Mit den richtigen Maßnahmen können Betroffene ihren Leidensweg aber zumindest verkürzen: Koffein und Zitrone bekämpfen den Kopfschmerz, elektrolytreiche Getränke bringen den Mineralhaushalt wieder ins Gleichgewicht.

Kater?

Der Schädel brummt, der Magen rebelliert und alles dreht sich – je wilder die durchzechte Nacht, desto grausamer ist häufig der Morgen danach. Nachdurst, Übelkeit und Müdigkeit begleiten den Verkaterten durch den Tag, in schlimmen Fällen kommt es sogar zu wiederholtem Erbrechen oder Magenblutungen. Manch einer schwört sich in dieser Situation, nie wieder einen Tropfen Alkohol zu trinken.

Ursachen für den Kater

Medizinisch betrachtet stellt ein Kater das Folgesyndrom einer akuten Alkoholvergiftung dar. Ihm muss kein Vollrausch vorausgehen – schon ein Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille kann typische Katersymptome nach sich ziehen. Was genau den Kater hervorruft, ist übrigens wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Als wahrscheinlich gilt ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen: Zum einen hemmt Ethanol die Ausschüttung des Hormons ADH aus der Hypophyse, weshalb der Beschwipste vermehrt Harn ausscheidet. Wird dieser Flüssigkeits- und Elektrolytverlust nicht durch alkoholfreie Getränke ausgeglichen, kommt es zur Dehydratation, auf die insbesondere Gehirnzellen empfindlich reagieren. Gleichzeitig wird die Zuckerneubildung in der Leber gehemmt, wodurch eine Unterzuckerung entstehen kann. Dies macht den auf ständige Glucosezufuhr angewiesenen Nervenzellen zusätzlich zu schaffen. Nicht zuletzt richten giftige Zwischenprodukte aus dem Alkoholabbau und minderwertige Fuselalkohole wie Methanol direkte Zellschäden an.

Viele Menschen machen die Erfahrung, dass sie mit zunehmendem Alter immer weniger Alkohol vertragen und stärkere Kater erleiden. Das ist keinesfalls bloße Einbildung, sondern hat handfeste Gründe: Mit dem Alter steigt nämlich in der Regel auch der Körperfettanteil, während der Wasseranteil am Gesamtgewicht sinkt. Da Ethanol in Fett nicht so gut löslich ist wie in Wasser, geht bei steigendem Körperfettanteil immer mehr der Substanz direkt in die Blutbahn über. Höhere Promille-Pegel und ausgeprägtere Vergiftungserscheinungen sind die Folge. Auch Frauen haben es übrigens ihrem vergleichsweise hohen Körperfettanteil zu verdanken, dass sie im Durchschnitt weniger vertragen als männliche Mittrinker.

Was hilft gegen Kater?

Als altes Hausmittel gegen Kater-Kopfschmerzen gilt eine Tasse Espresso mit Zitrone. Medizinern der Uniklinik Freiburg gelang es 2002, die schmerzlindernde Wirkung dieses Heißgetränks aufzuklären: Sie fanden heraus, dass Koffein in Kombination mit Zitronensäure die Bildung von Prostaglandinen hemmt – hormonähnlichen Botenstoffen, die bei der Regulation von Schmerzen und Entzündungen eine Rolle spielen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10963764). Auch Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen und Paracetamol reduzieren über eine Hemmung des Prostaglandinstoffwechsels die Schmerzempfindung. Als Anti-Kater-Mittel sind allerdings alle drei Medikamente nicht empfehlenswert. Denn: Aspirin und Ibuprofen greifen die bereits vom Alkohol vorgeschädigte Magenschleimhaut an und begünstigen Blutungen, während Paracetamol die Leber belastet, die mit der Verstoffwechselung des Zellgifts Alkohol ebenfalls schon genug zu bewältigen hat. Fazit: Bei Kater-Kopfschmerzen nicht zu Tabletten greifen, sondern auf die sanfte Droge Koffein setzen. Wer keinen Espresso mag, kann die nötige Dosis des Wachmachers natürlich auch durch starken Kaffee, Schwarztee oder Energy-Drinks aufnehmen – jeweils mit einem Schuss Zitrone.

Zur heilsamen Wirkung eines speziellen Katerfrühstücks liegen noch keine wissenschaftlichen Befunde vor. Schaden richten Rollmops und Co. allerdings auch nicht an. Wer also an einem Katermorgen plötzliche Gelüste nach fetten, sauren oder salzigen Speisen verspürt, darf ruhig auf seinen Körper hören. Wichtiger als viel zu essen ist es ohnehin, viel zu trinken. Am besten eignen sich wegen des hohen Elektrolytgehalts Mineralwässer, Saftschorlen oder Gemüsesäfte. Das berühmte Konterbier ist hingegen keine gute Idee, denn es entwässert erneut und verlängert die Vergiftung.

Das beste Mittel gegen Kater ist unzweifelhaft Prävention. Das bedeutet: Alkohol nur in Maßen und nur in hoher Qualität konsumieren, verschiedenartige Alkoholika nicht wild durcheinander trinken und möglichst schon während des Alkoholkonsums der drohenden Dehydratation mit Mineralwasser entgegenwirken. Salzige Knabbereien beugen ebenfalls einer Entgleisung des Mineralhaushalts vor. Außerdem hilft es, kurz vor dem Alkoholkonsum eine fettige Mahlzeit zu sich zu nehmen. Die Fette verzögern nämlich im Magen-Darm-Trakt die Resorption des Alkohols, sodass der Promille-Pegel zwar über einen längeren Zeitraum, aber nicht so stark ansteigt.