Hitzewallungen

Rund zwei Drittel aller Frauen leiden während der Wechseljahre an lästigen Beschwerden. Wiederkehrende Hitzewallungen stellen dabei das Leitsymptom dar und können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Hormonersatztherapien sind zwar ein wirksames Gegenmittel, werden aufgrund ernster gesundheitlicher Risiken heute aber nur noch vorsichtig angewandt. Bei leichten bis mittelschweren Beschwerden sollten Betroffene zunächst pflanzliche Alternativen ausprobieren.

Hitzewallungen?

Ursachen von Hitzewallungen

Während der Wechseljahre können Hitzeschübe im unpassendsten Moment zuschlagen – bis zu 30 mal innerhalb von 24 Stunden. Meist beginnt das Wärmegefühl kribbelnd im Brustbereich, steigt von dort aus zu Kopf und breitet sich schließlich über den gesamten Körper aus. Das Herz fängt an zu rasen, die Haut rötet sich, Schweißperlen benetzen Dekolleté und Stirn. Unter Umständen können die Schweißausbrüche sogar so heftig sein, dass hinterher die klatschnasse Kleidung gewechselt werden muss. Gerade berufstätige Frauen kostet das Zeit und Nerven. Aber auch nachts sind Hitzewallungen nervenaufreibend, da sie die Betroffenen aus dem Schlaf reißen und oft monatelang ein erholsames Durchschlafen verhindern. Ständige Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und eine schwächelnde Immunabwehr können die Folge sein.
Zurückzuführen ist die gestörte Temperaturregulation auf Umstellungsprozesse im Hormonhaushalt. Zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr lässt die zyklische Hormonproduktion der Eierstöcke allmählich nach – der Östrogenspiegel sinkt. Aufgrund des Östrogenmangels setzt das Wärmezentrum im Gehirn den Sollwert für die Körpertemperatur herab. Der Organismus muss nun Wärme an die Umgebung abgeben, um sich auf den neuen Sollwert herunterzukühlen. Dafür stellt er Gefäße in der Haut weit, kurbelt den Kreislauf an und steigert sowohl die Hautdurchblutung als auch die Schweißproduktion. Was sich subjektiv wie ein Hitzeschub anfühlt, ist also eigentlich eine Abkühlung der absoluten Körpertemperatur.

Ein kleiner Trost für alle Frauen, die besonders starke Wechseljahresbeschwerden durchmachen: Je heftiger die Hitzewallungen ausfallen, desto geringer ist das Risiko, in der Zukunft an Brustkrebs zu erkranken. Diesen Zusammenhang haben amerikanische Wissenschaftler 2011 in einer Untersuchung an über 1800 Frauen aufgedeckt. Die Korrelation blieb auch dann noch bestehen, wenn Übergewicht und Hormonersatztherapien als mögliche Einflussfaktoren herausgerechnet wurden (Relationship between Menopausal Symptoms and Risk of Postmenopausal Breast Cancer).

Außerhalb des Klimakteriums können Hitzewallungen auch durch Tumorerkrankungen, Bluthochdruck, Allergien oder eine Schilddrüsenüberfunktion hervorgerufen werden. In diesen Fällen ist eine Selbstbehandlung nicht ratsam. Wer jedoch weiß, dass die Beschwerden durch die Wechseljahre bedingt sind, kann beruhigt sein: Denn so unangenehm und lästig die Schweißausbrüche auch sein mögen, gefährlich sind sie nicht.

Was tun gegen Hitzewallungen?

Mittel der Wahl war bei Wechseljahresbeschwerden lange Zeit eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen. Um die Jahrtausendwende zeigten jedoch breit angelegte Studien, darunter die britische One-Million-Women-Study mit über einer Million Teilnehmerinnen, dass eine Hormonsubstitution das Brustkrebs- und Thromboserisiko signifikant erhöht. Inzwischen wird die Einnahme von Hormonpräparaten deshalb nur noch bei ausgeprägten Symptomen mit starkem Leidensdruck empfohlen.

Leichte bis moderate Beschwerden können Phytoestrogene aus Pflanzenextrakten lindern. Es handelt sich dabei um sekundäre Pflanzenstoffe, die in ihrer chemischen Struktur den Östrogenen ähneln und deshalb an Östrogenrezeptoren binden. Beliebte Phytoestrogene für die Bekämpfung von Hitzewallungen sind vor allem Isoflavone aus Soja oder Rotklee. Eine große Übersichtsstudie, die 36 wissenschaftliche Einzelstudien einschloss, bestätigte 2012, dass eine tägliche Einnahme von rund 50 mg Isoflavonen aus Soja sowohl die Frequenz als auch die Schwere der Hitzeschübe merklich reduziert (Extracted or synthesized soybean isoflavones reduce menopausal hot flash frequency and severity: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials). Erreichen lässt sich diese Tagesdosis entweder durch einen halben Liter Sojamilch oder über Nahrungsergänzungsmittel aus konzentriertem Soja. Übrigens: In hohem Sojakonsum wird auch die Ursache dafür vermutet, dass asiatische Frauen in der Menopause viel seltener von Hitzewallungen berichten. Nicht einmal ein Fünftel aller Chinesinnen ist betroffen.

Eine weitere pflanzliche Alternative zu herkömmlichen Hormonpräparaten ist der Extrakt der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), den schon nordamerikanische Ureinwohner gegen Wechseljahresbeschwerden einzusetzen wussten. Das apothekenpflichtige, aber rezeptfreie Arzneimittel stimuliert nicht nur Östrogenrezeptoren, sondern auch Serotoninrezeptoren im zentralen Nervensystem. Laut Einschätzung des Magazin Öko-Test werden auf diese Weise neben Hitzewallungen auch Stimmungsschwankungen effektiv bekämpft.

Nicht bei jeder Frau schlagen Isoflavone und Traubensilberkerze gleich gut an. Der Behandlungsleitfaden der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe betont, dass mit den pflanzlichen Mitteln zwar eine Reduktion klimakterischer Beschwerden möglich ist, aber die individuelle Wirksamkeit nicht vorausgesagt werden kann. Betroffene müssen also ausprobieren, ob und welche der beiden Substanzen ihnen hilft.