Haarausfall

Volles Haar gilt als Zeichen für Jugendlichkeit, Gesundheit und Attraktivität. Haarausfall führt deshalb oft zu enormem Leidensdruck. Unter den unzähligen frei verkäuflichen Haarwuchsmitteln im Handel besitzen allerdings nur Präparate mit dem Wirkstoff Minoxidil eine wissenschaftlich erwiesene Wirksamkeit. Sie können den Haarausfall effektiv stoppen, verlorene Fülle jedoch nicht unbegrenzt zurückzaubern – deswegen sollte die Behandlung so früh wie möglich beginnen.

Haarausfall?

Hintergründe von Haarausfall

Wenn das Kopfhaar sich schon in jungen oder mittleren Lebensjahren lichtet, können Lebensqualität und Selbstwertgefühl massiv darunter leiden. Viele Betroffene fühlen sich unansehnlich und im Umgang mit dem anderen Geschlecht gehemmt. Frauen belastet das Problem im Durchschnitt noch etwas stärker als Männer, weil weibliche Schönheit besonders stark von einer fülligen Mähne abhängig gemacht wird. Dass Haarausfall die eigene Wirkung auf Andere negativ beeinflusst, ist übrigens keineswegs bloße Einbildung: Eine EMNID-Studie zeigte 1999, dass der haarige Makel neben der Partnerwahl sogar das berufliche Fortkommen erschweren kann. Denn: Personaler geben Bewerbern mit dichtem Haar den Vorzug, wenn sie die Auswahl zwischen Gleichqualifizierten mit und ohne Haarausfall haben.

Die Grenzen zwischen physiologischem und pathologischem Haarausfall sind fließend. Als normal gilt ein Verlust von ca. 50-100 Haaren pro Tag bei einem Gesamtbestand von 90.000 bis 150.000 Kopfhaaren. Von klinischem Haarausfall (Alopezie) spricht man erst, wenn nachrückende Haare den Schwund nicht mehr ausgleichen können und der Haarschopf merklich ausdünnt.

Ursachen von Haarausfall

In 95 % aller Fälle ist ein solcher Haarausfall erblich bedingt – als sogenannte androgenetische Alopezie. Die Störung beruht auf einer Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem männlichen Sexualhormon Dihydrotestosteron, das nach enzymatischer Umwandlung aus Testosteron entsteht und in geringen Konzentrationen auch im weiblichen Organismus vorkommt. Durch die angeborene Überempfindlichkeit verkürzt sich die Wachstumsphase der Haare drastisch. Bei Männern bildet sich im Laufe der Zeit häufig eine vollständige Glatze aus, weil die Kopfhaare abgestoßen werden, bevor sie überhaupt zu sehen sind. Das Haar von betroffenen Frauen geht hingegen üblicherweise nicht komplett verloren, lichtet sich aber insbesondere im Mittelscheitelbereich stark und wächst nur noch dünn und brüchig. Meist verschlimmert sich das Krankheitsbild in den Wechseljahren, weil der Östrogenspiegel sinkt und das Dihydrotestosteron nicht mehr so gut ausbalancieren kann.

Epilationstest

Der Zupftest erlaubt eine grobe Aussage über die Intensität des Ausfalls. Dabei wird leicht an einem kleinen Haarbüschel gezogen, um festzustellen, wie leicht sich die Haare von der Kopfhaut lösen.

Tichogramm

Dies bezeichnet eine medizinische Untersuchungsmethode, um den Haarwurzelstatus festzustellen. Haare durchlaufen in ihrer Entwicklung mehrere Stadien (Haarzyklus: Wachstumsphase, Übergangsphase, Ruhephase und Abstoßungsphase. Durch diese Untersuchung wird festgestellt, wie viele Haare sich in den jeweiligen Phasen befinden, was wiederum Rückschlüsse auf die Intensität des Haarausfalls ermöglicht.

Tichoscan

Durch diese Computer-Software, welche mit digitaler Fotografie arbeitet, lassen sich folgende Aussagen über das Haar machen: Haardichte pro bestimmter Fläche, der Haardurchmesser, die Wachstumsgeschwindigkeit. Auch dies erlaubt Rückschlüsse über den Verlauf und die Art des Haarausfalls.

Dihydrotestosteron

Was hilft gegen Haarausfall?

Eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika im Drogerieregal verspricht Abhilfe “gegen” oder “bei” Haarausfall. Als Wirkstoffe werden dabei u. a. Vitamincocktails, Aminosäurekomplexe, Koffein oder Pflanzenextrakte beworben. Die Stiftung Warentest und die deutsche Gesellschaft für Dermopharmazie – ein Zusammenschluss aus fachkundigen Ärzten und Apothekern – sind sich jedoch einig: Kein einziges Nichtarzneimittel auf dem Markt konnte bisher einen überzeugenden Wirksamkeitsbeweis erbringen.

Selbst im Arzneimittelbereich überzeugt die unabhängigen Experten lediglich ein rezeptfrei erhältlicher Wirkstoff: Minoxidil. Dieses Haarwuchsmittel muss zweimal am Tag in Form von Lösung oder Schaum auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Vermutlich weitet es dort lokal kleine Arterien, steigert die Durchblutung und sorgt so für eine bessere Ernährung der Haarfollikel. Obwohl nicht abschließend geklärt ist, wie Minoxidil wirkt, ist unstrittig, dass es wirkt. Mehrere klinische Studien dokumentieren dauerhafte Erfolge bei langfristiger, täglicher Anwendung. Laut Angaben der Gesellschaft für Dermopharmazie kann das Mittel die Progression eines Haarausfalls in bis zu 90 Prozent der Fälle aufhalten und bei rund 50 Prozent aller Anwender das Haar sogar wieder deutlich verdichten. Da Haare relativ langsam wachsen, ist bei Männern allerdings erst nach acht Wochen, bei Frauen sogar erst nach 3-4 Monaten ununterbrochener Anwendung mit sichtbaren Erfolgen zu rechnen (Interdisziplinäres Management der androgenetischen Alopezie).

Wichtig zu wissen: Am Anfang einer Minoxidil-Therapie kann es vorübergehend sogar zu einem verstärkten Haarausfall kommen. Das Minoxidil regt in dieser Phase nämlich viele ruhende Haarfollikel parallel zur Produktion eines neuen Haares an. Die nachwachsenden Haare schieben dabei ihre abgestorbenen Vorgänger aus den Follikeln hinaus. Dieser sogenannte Shedding-Effekt ist somit kein Grund zur Beunruhigung, sondern ganz im Gegenteil ein Zeichen für ein gutes Ansprechen der Haarfollikel auf den Wirkstoff.