Blattläuse

Blattläuse zählen hierzulande zu den häufigsten Pflanzenschädlingen. Sie hinterlassen im liebevoll gehegten Garten eine Schneise der Zerstörung und stellen sowohl ein wirtschaftliches als auch ein ästhetisches Problem dar. In Schach halten können Hobbygärtner die Schädlinge mit biologischen Insektiziden sowie durch gezieltes Anlocken natürlicher Fressfeinde.

Blattläuse?

Hintergründe von Blattläusen

Wenn sich im Frühling die ersten jungen Triebe zeigen, tauchen regelmäßig wie aus dem Nichts auch die ersten Blattläuse auf. Unter günstigen Bedingungen vermehren sie sich explosionsartig und drohen die hart erarbeiteten Erfolge der Gartenarbeit zu zerstören: Zierpflanzen verkümmern, beim Gemüse- oder Obstanbau winken Ertragsverluste bis hin zum vollständigen Ernteausfall. Neben den direkten Fraßschäden richten die Blattläuse auch indirekte Schäden an, indem sie diverse Pflanzenviren übertragen und durch ihre Ausscheidungen andere Schädlinge anlocken.

Die Blattlaus – Ein Portrait

Blattläuse sind bis zu 7 Millimeter große Insekten mit grüner, rotbrauner oder schwarzbrauner Färbung. Mehr als 800 Arten leben in unseren Breiten. Kaum eine Pflanze ist vor den gefräßigen Schädlingen gefeit, die sich ihrer Lebensweise in einer 280 Millionen Jahre währenden Evolution perfekt angepasst haben. Mit einem Stechrüssel saugen die Tiere kohlenhydrat- und eiweißreichen Pflanzensaft aus Stielen und Blättern, insbesondere aus jungen Pflanzenteilen. Nach der Verdauung scheiden sie dann ein zuckerhaltiges Sekret, den sogenannten Honigtau, aus, der u. a. Rußtaupilzen und Ameisen einen idealen Nährboden bietet.

Eine Blattlauskolonie besteht üblicherweise aus mehreren Hundert Tieren. Ohne Gegenwehr wächst die Population rasant an und breitet sich schnell auch auf benachbarte Wirtspflanzen aus. Dabei vermehren sich die Läuse über mehrere Generationen hinweg zunächst durch Jungfernzeugung. In bestimmten zeitlichen Abständen entsteht jedoch eine geflügelte Generation, die sich geschlechtlich fortpflanzt und dank ihrer Flügel in der Lage ist, auch längere Distanzen zu überwinden. Damit der Befall nicht außer Kontrolle gerät, ist es sinnvoll, seine Pflanzen regelmäßig auf Blattläuse zu kontrollieren und gegebenenfalls früh Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Präventiver Einsatz von Pestiziden ist jedoch kontraproduktiv: Studien haben gezeigt, dass sich auf konventionell “gespritzten” Feldern deutlich mehr Blattläuse tummeln als auf naturbelassenen Flächen – vermutlich, weil Gifte die Balance zwischen Schädlingen und Nützlingen zerstören (Quelle: http://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/weniger-bl-1/).

Was tun gegen Blattläuse?

Bei geringem Blattlausbefall kann es genügen, die Tiere per Hand von der Pflanze abzustreifen oder mit einem Wasserstrahl abzuspritzen. Lässt sich das Problem so nicht in den Griff bekommen, führt kein Weg an Pflanzenschutzmitteln vorbei. Zunächst sollten Hobbygärtner dabei auf sanfte, natürliche Insektizide setzen – ihrer eigenen Gesundheit und der Umwelt zuliebe. Bewährt haben sich im Kampf gegen Blattläuse insbesondere Spritzmittel mit Kaliseife oder solche auf Rapsölbasis. Kaliumsalze zersetzen den Chitinpanzer der Läuse, während Öl-Emulsionen die Tiere mit einem dünnen Ölfilm umhüllen, sodass sie in Sekundenschnelle an Sauerstoffmangel verenden. Auch Larven und Eier werden auf diese Weise abgetötet. Für Nützlinge und Menschen sind die Mittel hingegen vollkommen ungiftig. Wichtig: Die Präparate niemals bei praller Sonne auftragen, da sie den Verdunstungsschutz der Pflanzen angreifen und zum Vertrocknen führen können – gerade bei jungen Blättern oder zarten Blüten. Am besten ist eine Anwendung in den frühen Morgenstunden oder der Abenddämmerung.

Seifenlösungen und Öl-Sprays wirken nur, wenn sie die Schädlinge direkt benetzen. Bei fortgeschrittenem Blattlausbefall ist es jedoch oft schwierig, alle Tiere zu erreichen, da sich die angegriffenen Blätter einrollen. In diesem Stadium können Gartenliebhaber als Ultima Ratio auf das Nervengift Natur-Pyrethrum zurückgreifen, das die Läuse lähmt und schließlich tötet. Pyrethrum wird aus Chrysanthemen gewonnen und ist laut Einschätzung des Magazin Öko-Test zwar auch für Menschen leicht toxisch, aber empfehlenswerter als synthetische Gifte, da es unter Sonneneinstrahlung rasch zerfällt. Mensch und Garten werden somit nur kurzzeitig belastet.

Zur langfristigen Prävention ist es ratsam, gezielt natürliche Feinde der Blattläuse anzulocken, z. B. mit Wildblumen oder Nisthilfen. Schon ein einziger Marienkäfer vertilgt bis zu 150 Läuse pro Tag. Geeignete Räuber sind außerdem Florfliegen, Gallmücken und Ohrwürmer. Im Fachhandel gibt es auf die entsprechenden Arten zugeschnittene Insektenhotels aus Holz und teilweise sogar Lebendinsekten zu kaufen, die direkt im eigenen Garten ausgesetzt werden können.