Ameisen sind in der Natur sehr wertvoll. In Haus und Wohnung können sie jedoch zahlreiche Schäden anrichten und Krankheiten übertragen. Die Natur hat die Insekten mit Eigenschaften ausgestattet, die die Futtermittelwege sehr stabil machen. Zu einem können Hausmittel angewandt werden, um die Insekten zu vertreiben: Nester könnten überschwemmt und Ameisenstraßen mit Kreide und Duftölen unterbrochen werden. Zum anderen helfen chemische Mittel.

Ameisen?

Hintergründe, Ursachen, Wissenswertes über Ameisen

Ameisen sind sehr nützliche Tiere im Ökosystem. Es gibt bis zu 12.500 verschiedene Sorten. In Europa kommen etwa 200 vor. Experten schätzen, dass rund 10 Billiarden Ameisen insgesamt auf dem Planeten leben. Eine sibirische Art kann Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius aushalten, eine andere lebt in australischen Teichen unter Wasser. Das kleinste Tier dieser Art ist weniger als einen Millimeter lang, die Giganten unter diesen Insekten können bis zu sieben Zentimeter groß werden. Ameisen leben in Gruppen, sogenannten Staaten, die aus einigen Hundert bis mehreren Millionen einzelnen Tieren bestehen können. Und das ist auch die Stärke dieser Gattung. Im Staat unterteilen sich die Mitglieder in drei Kategorien. Zwar gehört das Insekt zur Gattung der Hautflügler, aber nur geschlechtlich aktive Weibchen tragen wirklich Flügel, das weiblich arbeitende Volk im Ameisenstaat bleibt flügellos. Die Männchen dienen fast ausschließlich zur Befruchtung der Weibchen. Nach dem sogenannten Begattungsflug sterben sie ab und werden von den Arbeiterinnen als Nahrung betrachtet. Das befruchtete Weibchen wirft die Flügel ab und gründet als Ameisenkönigin einen neuen Staat.

Für die Natur sind die Insekten ein sehr nützliches Volk. Sie lockern mit ihrem weitläufigen Gangsystem die Erde auf. Das fördert das Wachstum von Pflanzen, da diese besser wurzeln können. Ebenso trägt das Umschichten des Bodens durch die Ameisen dazu bei, dass fruchtbarer Humus entsteht. So mancher Landstrich wäre ohne das kleine Insekt karg und ohne Grün. In den meisten Fällen entstehen Ameisenkolonien außerhalb des Hauses.

Doch haben sie einmal den Weg innerhalb der vier Wände gefunden, können sie für den Menschen unangenehm werden. Vor allem zucker- und eiweißhaltige Nahrung lockt sie hat. Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hat erst kürzlich gezeigt, wie clever die Insekten dabei vorgehen. (Link: PIK Potsdam) Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Ameisen zunächst nach dem Zufallsprinzip auf Nahrungssuche gehen. Dabei hinterlassen sie eine Spur aus Duftstoffen. Je kürzer der Weg, desto stärker der Duft. So setzt sich der kürzeste Weg durch. Ebenso die Art der Fortbewegung spielt bei den Ameisen eine Rolle. Wissenschaftler der Universität Jena fanden heraus, dass die Insekten den sogenannten alternierenden Tripod-Gang verwenden: Dazu werden synchron drei der sechs Beine, nämlich Vorder- und Hinterbein einer Körperseite und das mittlere Bein auf der gegenüberliegenden Seite bewegt. Erst wenn diese drei Beine Bodenkontakt haben, geschieht das Gleiche seitenverkehrt. Diese Gangart macht die Insekten so flink und schnell. (Link: Uni Jena)

Beide nachgewiesenen Eigenschaften machen es schwer, die Tiere aus Wohnungen und Haus wieder zu entfernen. Doch im Hause sind Ameisen nicht mehr nützlich, wie in der Natur: Sie befallen Lebensmittel und können auf ihnen Keime übertragen. In elektrischen Geräten können sie Kabelbrände auslösen. Mancher Hausbesitzer reagiert allergisch auf die Bisse und Stiche von Ameisen.

Was tun gegen Ameisen?

Wer von Ameisen befallen ist, muss zwischen zwei Varianten der Beseitigung wählen: den Einsatz von chemischen Mitteln oder der gezielten Bekämpfung mit Cleverness und Intelligenz. Die chemischen Mittel sind meist wirksam, von ihrem Einsatz wird jedoch oft abgeraten. Chemische Mittel gibt es sowohl flüssig, als Spray oder auch als Puder. Sie beinhalten verschiedene Insektizide – Gifte, die tödlich auf Ameisen wirken. Hierbei können unterschiedliche Substanzklassen unterschieden werden.

1. Insektizide, die die Signalübertragung von Nervenzellen hemmen.
Dazu gehören:

a) Phosphorsäureester: eine organische Verbindung, die eine hohe Toxizität besitzt. Beispiele sind Chlorpyrifos, Phoxim, Dichlorvos, Fenthion, Parathion und Tetraethylpyrophosphat. Der Vorteil dieser Stoffe: Sie sind leicht abiotisch abbaubar und durch ihre große Varibilität besteht eine geringere Gefahr der Resistenzbildung.

b) Carbamate: Salze und Ester der Carbamidsäuren, deren Giftigkeit der der Phosporsäureester ähnelt. Beispiele sind die Stoffe Carbaryl, Carbofuran, Carbosulfan und Xylylcarb. Sie haben ebenfalls eine neurotoxische Wirkung. Der Nachteil dieser Stoffe: Carbaminsäuren sind im Allgemeinen instabil.

c) Neonicotinoide: synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die selektiv eine starke toxische Wirkung auf die Nervenzellen von Insekten haben. Daher wirken sie sehr gezielt, ohne andere Lebewesen ebenfalls zu schaden. Beispiele sind Imidacloprid, Thiacloprid, Acetamiprid, Thiamethoxam und Clothianidin.

2. Insektizide, die Kanäle in den Nervenbahnen blockieren:

a) Pyrethroide: ein synthetisches Insektizid, das an die Hauptwirkstoffe des natürlichen Insektizids Pyrethrum angelehnt ist. Beispiele sind Deltamethrin, Cyfluthrin, Cypermethrin. Es ist hochgiftig und kann auch beim Menschen zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen führen.

3. Seltener verwendete Wirkstoffe:

a) Indoxacarb: eine chemische Verbindung, wirkt ähnlich wie Pyrethroide. Eine Wirkung gegen Ameisen ist jedoch noch nicht demonstriert worden.

b) Avermectine: ein Neurotoxin, das jedoch sehr teuer in der Herstellung ist.

c) Stoffe, die die Entwicklung im Larvenstadium hemmen: Beispiele sind Hexaflumuron und Diflubenzuron. Sie wirken hemmend auf die Häutung von Insekten. Erster ist in Deutschland nicht zulässig, Diflubenzuron ist erlaubt, hat aber Nebenwirkungen auf andere Tiere, die beispielsweise die Gemeine Flurfliege.

d) Junge Wirkstoffe, deren genaue Wirkung jedoch noch nicht bekannt ist: Beispiele sind Pymetrozin und Flonicamid. Sie sind noch nicht genügend erforscht.

Nachteil fast aller Sprays, Puder oder flüssige Präparate: Sie können auch für Babys, Schwangere oder kranke Menschen gefährlich werden. Ebenso können die Gifte ins Grund- oder Abwasser gelangen und der Umwelt schaden. Praktischer sind Köderdosen, die ebenfalls giftiges Gel enthalten. Dieses ist jedoch in der Dose eingeschlossen. Das Magazin „Öko-Test“ hat die verschiedenen chemischen Mittel getestet und kommt zu folgendem Resultat: „Köderdosen mit synthetischen Giften wie Imidacloprid, Fipronil, Phosphorsäureester wie Chlorpyrifos oder synthetischen Pyrethroiden wie Phenothrin, Tetramethrin oder Cypermethrin, sind noch etwas besser als Sprays, Pulver oder Granulate mit diesen Wirkstoffen.“

Wer ohne Gifte auskommen will, kann verschiedene Methoden einsetzen. Zum einen kann das Volk zum Umziehen gebracht werden: Das Ameisennest ausfindig machen und immer wieder mit Wasser überschwemmen. Das vertreibt den Staat meist an einen anderen Ort mit anderen Nahrungswegen. Kreide unterbricht zum anderen die Ameisenstraßen – wer einen Kreidestrich zieht, kann regelrecht nachvollziehen, wie die Insekten ihn als unüberwindbare Barriere betrachten. Der Duftweg wird zerstört. Ähnlich wirken ätherische Öle wie Thymian, Wacholderblätter oder Lavendel. Aber auch Zitrone, Essig und Zimt stören die Nasen der Insekten empfindlich. An den richtigen Stellen eine Unterbrechung der Ameisenstraße kann die Insekten im Haus verhindern.

Zu guter Letzt sollte auch das Ziel der Ameisen beseitigt werden. Die Nahrung. Gerade Tierfutter lockt die Insekten an, daher sollte dies nicht auf dem Boden stehen und in den Futternäpfen nicht lange verweilen. Andere Lebensmittel sollten trocken, sauber und dicht verschlossen gelagert werden. Wem diese Mittel nicht nützen, der sollte sich ein Profi ins Haus holen. Der Schädlingsbekämpfer weiß am besten, welches chemische Mittel er gegen die Insektenplage einsetzen kann.